Ein Anarchistisches Geschichtsmodell

Die Entwicklung von der Autoritären Zeit bis zur Gegenwart wurde in fünf Epochen eingeteilt; die Individualgesellschaft, Die Eskalation, die Retroformation, der Erbkonflikt und die Epigenese. Das Modell bezieht sich maßgeblich auf die Geschehnisse in Westeuropa.

1. Die Individualgesellschaft. Der Dualismus zwischen autoritärem Paternalismus und individueller Persönlichkeitsbildung.Ansätze zu einer Individualisierung der Gesellschaft zeigen sich bereits politisch in dem Übergang von totalitären oder absolutistischen Systemen wie z.B. der direkten Monarchie zu populistischen Systemen wie der parlamentarischen Demokratie, geistig hingegen in der Abkehr von der Kirche während der Aufklärung. Aspekte einer echten Individualgesellschaft, d.h. eine Gesellschaft, in der Personen nicht nur eine Aufgabe (z.B. Bürger) sondern auch eine Identität als Person besitzen, entwickeln sich erst in der modernen Konsumgesellschaft, da die Individualisierung unbedingt freien Zugang zu moderner Kommunikationstechnik (Telephon, Briefverkehr, et.) und Individualverkehr (Privatautos, etc.) erfordert. Im 20stem Jahrhundert kam es zum schweren Konflikt zwischen noch bestehenden autoritären Strukturen und dem aufkeimenden individuellem Bewußtsein. In den demokratischen Ländern, die am ehesten Aspekte einer Individualgesellschaft aufwiesen, mußte der Staat gegen Ende des Jahrhunderts besonders starke Einschränkungen und Überwachungen einführen, um den paternalistischen Aufbau seines Systems zu verteidigen. Aus diesem destabilisierenden, langfristig destruktivem Dualismus stammten Beispielsweise Phänomene wie der Lauschangriff, der Anti-Drogen Krieg, die Internet-Kontrolle, elektronische Ausweise und vieles mehr. Die Individualgesellschaft ist eine notwendige Vorraussetzung für die Entwicklung einer Anarchie. Aus diesem Grund hat sich in Ländern, die diese Phase nicht durchlaufen haben (z.B. die meisten Entwicklungsländer), keine Anarchie entwickelt. Es reicht daher in derartigen Ländern auch nicht, die Unterdrücker zu beseitigen - im besten Fall werden sie dann durch weniger schlimme Unterdrücker ersetzt.

2. Die Eskalation. Der Zusammenbruch der autoritären Strukturen vor der Schaffung einer individuellen Alternative. Im Zeitraum zwischen 2000 und 2020 kam es zu unkontrollierten Gewaltausbrüchen, als die Differenz zwischen paternalistischer Autorität und noch unausgegorener Individualität zu groß wurde. Der Fall der Tabuethik ohne den Ersatz durch eine utilitaristische Ethik führte in ein reines Chaos, als die alten Werte verlorengingen, bevor neue Werte geschaffen worden waren. Die Vorfälle in den Ländern des früheren Jugoslawien gaben einen Vorgeschmack auf diese Entwicklungsphase.

3. Die Retroformation. Die unvollständigen Versuche eines Neuaufbaus.Etwa zwischen 2020 bis 2030 gibt es regionale Versuche, eine neue Ordnung aufzubauen, die sich an verschiedenen Vorbildern der präapokalyptischen Zeit orientiert. Diese Versuche sind nicht koordiniert und selbst durch extremste Gewalteinsätze der verschiedenen Parteien nicht durchsetzbar. Zudem fehlt die notwendige Infrastruktur und übergeordnete Verwaltung der früheren Epochen.

4. Der Erbkonflikt. Orientierung an Systemen der Vergangenheit erzeugen ein neues Armageddon.Das Scheitern der Retroformation führt in den Jahren 2030 bis 2050 zu neuen Konflikten und Auseinandersetzungen. Erst nach umfangreichen Kämpfen, die alle verbliebenen Parteien schwächen und aufsplittern, kommt es langsam zur Deeskalation.

5. Die Epigenese. Zeitalter der utilitaristischen Anarchie und des Konstruktiven Eklektizismus.Das utilitaristisches Modell setzt sich langsam durch. Der Schritt vom Paternalismus zur echten Individualgesellschaft vollzieht sich in der Übergabe der Verantwortung vom Staat auf jeden Einzelnen. Mit dem Beenden der permanenten Bedrohung durch völlig instabile Zustände ist die Möglichkeit zur Entwicklung komplexere Kulturaspekte ermöglicht. Der Konstruktive Eklektizismus ist kein Schimpfwort, sondern die Bezeichnung für die isolierte Übernahme einzelner Erscheinung früherer Epochen, die auf die anarchistische Welt übertragen werden.Die Zeit vor der Apokalypse wird insgesamt als Präapokalypse bezeichnet und umfasst auch die Autoritäre Zeit. Die A.Z. ist auf die bekannte menschliche Geschichte beschränkt. Die Apokalypse wird meist auf alle Epochen ab der Eskalation bis einschließlich dem Erbkonflikt bezogen. Die meisten Endzeit-Sagas im Stil von Mad Max sind in der Phase der Eskalation steckengeblieben oder erreichen höchstens die Phase der Retroorganisation.

 

Endwelt Elysium

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